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- Pan-europäisches Facility Management: interview
Pan-europäisches Facility Management
Stetig wachsender Markt zwischen europäischen Kunden und Anbietern
Seit den achtziger Jahren entwickelt sich der Markt für Facility Management auf nationaler Basis.
Der Markt in Großbritannien, immer schon ein Vorreiter auf diesem Gebiet, entwickelte sich besonderes im öffentlichen Sektor. Mit der Inkraftsetzung der Initiative für PFI (Private Finance Initiative) öffnete die britische Regierung das Feld für die Suche nach privaten Firmen, die sowohl in der Lage waren öffentliche Bauvorhaben wie Schulen, Kindergärten, Gefängnisse, Militäreinrichtungen, usw. zu finanzieren, als auch diese dann über eine lange Zeit (zwischen 25 – 50 Jahren) zu betreiben und zu unterhalten. Der britische Markt wuchs an diesen Herausforderungen, und das Outsourcing von Facility Management Aktivitäten an einen Single-Service-Provider wurde eine gängige Praxis. Vereinfacht wurde das Ganze durch den 1981 bereits in Kraft gesetzten TUPE (Transfer of Undertakings), der ,ähnlich wie in Deutschland der Paragraph §613a, die Beschäftigungssicherheit von Personal sicherstellt, die aufgrund eines Betriebsüberganges den Arbeitgeber wechseln.
Diese Vorgehensweise wurde zunächst in den nordischen Ländern Europas (Schweden, Finnland, Norwegen, aber auch Niederlande) übernommen. Außerdem wurde Outsourcing vermehrt nicht nur im öffentlichen Sektor, sondern verstärkt auch im privaten Bereich durchgeführt. Diese Entwicklung führte zu dem Bedarf an einer einheitlichen europäischen Regulierung, welchem die EU durch die Einführung der ARD (2001/23/EC: Acquired Rights Directive) nachkam. Obwohl ARD eine Erweiterung des TUPE auf europäische verhältnisse darstellt, deckt sie doch die Bedürfnisse der verschiedenen Mitgliedsstaaten ab.
Hindernisse bei der Entwicklung des europäischen Marktes
Fehlende Impulse aus dem öffentlichen Bereich
Länder wie Deutschland und Frankreich folgten dem allgemeinen Trend mit einer gewissen Zeitverzögerung. Die Entwicklung wurde hauptsächlich von privaten Firmen vorangetrieben, allen voran Banken und Technologieunternehmen. Die andauernde Zurückhaltung des öffentlichen Bereichs hinsichtlich privat finanzierter öffentlicher Vorhaben und dem Transfer von Angestellten zu einem privaten Unternehmen ist immer noch ein dorniges Hindernis. Erst seit dem Jahr 2000 werden öffentliche Einrichtungen wie Gefängnisse, Krankenhäuser und kulturelle Einrichtungen überhaupt durch private Unternehmen betrieben, und immer noch betrifft dies zumeist Neubauten, und nicht bestehende und zur Sanierung anstehende Gebäude.
Kulturelle Vorbehalte gegen Outsourcing-Projekte
Die südeuropäischen Länder (insbesondere Spanien und Italien) haben sich dem Trend zum Outsourcing von Facility Management Services bislang kaum angeschlossen, da in diesen Ländern die Löhne traditionell schon immer geringer waren als im nördlicheren Europa, und die eher partriarchalen Führungsstrukturen in den Firmen einem Outsourcing von eigenem Personal eher ablehnend gegenüber stehen.
Ein kleinteiliger Markt behindert umfassende Lösungen
Nach 50 Jahren Kommunismus haben die neuen europäischen Staaten im Osten bis heute noch eigenes Personal für sämtliche anfallenden Services bis hin zu eigenen Betriebskindergärten.
Der Zusammenbruch des Systems hatte eine Zersplitterung des Marktes in viele kleine Anbieter zur Folge, deren Know-How auf dem Wissen von Einzelpersonen basiert. Diese Anbieter sind nicht in der Lage komplexe Gebäudebewirtschaftungs- und Personalstrukturen zu schaffen, die von einer modernen Gebäudewirtschaft benötigt werden. Daher sind diese Märkte unterentwickelt, und eine Reihe von Services ist überhaupt nicht verfügbar.
Dennoch haben viele ausländische Firmen, darunter auch viele deutsche Unternehmen, die sich in diesen Ländern angesiedelt haben, vor allem deutsche Facility Management Unternehmen nachgezogen, die ihrerseits ihre Methoden und Kenntnisse in der Gebäudebewirtschaftung mitgebracht haben. Dadurch hat sich der Markt mittlerweile auch für andere Firmen geöffnet.
Ein sich langsam entwickelnder Facility Management Markt im europäischen Stil
The weltweite Verbreitung des Facility Management-Gedankens
Der Grundgedanke des Facility Managements stammt ursprünglich aus den USA, wo solche Dienstleistungen bereits nach dem zweiten Weltkrieg systematisch vereinheitlicht und zusammengefasst wurden. Multinational gewordene amerikanische Unternehmen wollten ihre Liegenschaften auch weltweit nach dem System bewirtschaften, dass sie erfolgreich bereits im eigenen Land praktiziert hatten. Deshalb verwendeten sie das bereits bewährte Modell auch bei Liegenschaften im Ausland, nachdem man sie dort mit der jeweiligen nationalen Kultur und Gesetzgebung in Einklang gebracht hatte.
Amerikanische Technologieunternehmen (allen voran IBM) hatten ihre internen Abteilungen outgesourct, und wandten dieses Prinzip Anfang der 90er Jahre auch in Europa an, indem sie solche Dienstleistungen an mehrere europäische Dienstleister vergaben, Dieses Modell wurde von vielen weiteren amerikanischen und multinationalen Unternehmen kopiert, die dann damit begannen, Dienstleister für verschiedene geographische Regionen wie Amerika, Asia/Pacific, und Europa zusammen mit Afrika und dem mittleren Osten (EMEA) auszuwählen. Zwischenzeitlich wurden solche Verträge nun zum zweiten oder dritten Mal bereits erneuert, und der Umfang durch die Hinzunahme neuer Services oder durch weitere geographische Ausdehnung stetig erweitert.
Zur gleichen Zeit begannen hauptsächlich aus dem Technologiesektor stammende europäische Unternehmen damit, die Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften in fünf, sechs oder mehr europäischen Ländern gebündelt an einen einzigen Dienstleister wie Faceo zu geben. Alcatel-Lucent, die insbesondere einen Dienstleister gesucht haben, der der stetigen Unternehmensentwicklung folgen kann, ist ein herausragendes Beispiel dafür.
Steigende Anforderungen an Facility Management-Lösungen für große geographische Regionen
Durch den immer größer werdenden Bedarf an europäischen Dienstleistern haben sich einige Firmen entwickelt, die mehrere Länder umfassend abdecken können. Hier kann man zwischen zwei Gruppen unterscheiden: Dienstleister, die einen umfassenden Service in allen Bereichen des Facility Managements anbieten können, und Dienstleister, die ihre Kernkompetenz (Reinigung, Sicherheit, Catering) im europäischen Maßstab ausbauen wollen.
Seit einigen Jahren entwickeln sich verstärkt Einzelservices und ganze Produktpaletten in einem europäischen Rahmen, angeboten von echten Facility Management Anbietern und solchen, die es noch werden wollen. Angebotsanfragen über mehrere Länder hinweg sind heute an der Tgesordnung. Allerdings sind die jeweiligen Anforderungsprofile zwischen den einzelnen Ländern noch sehr unterschiedlich, obwohl multinationale Kunden verstärkt Harmonisierung und Steuerung solcher Projekte von einem einzigen zentralen Punkt und mit zentralen Software- und Helpdesk-Funktionen verlangen.
Die Entwicklung eines pan-europäischen Facility Managements ist mittlerweile Wirklichkeit geworden, nicht mehr behindert durch die unterschiedlichen nationalen Gesetzgebungen bezüglich dem Transfer von Personal. Die Globalisierung, und der Einsatz eines einzigen Dienstleisters für alle Liegenschaften in mehreren europäischen Ländern entwickelt sich immer schneller, trotz der unterschiedlichen Anforderungen zwischen den einzelnen Ländern, und trotz des Widerstandes mancher Länderorganisation gegen die Konzernleitung und deren Bestreben nach einheitlicher Vergabe des Facility Managements an einen Dienstleister.
Von Amaury de Varax – Business Development, Marketing & Communication Director
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